Mehr Zusammenarbeit statt Politisierung nötig

In letzter Zeit regt sich international zunehmend Widerstand gegen die Versuche der USA, die Suche nach dem Ursprung des neuartigen Coronavirus zu politisieren. Es ist nicht im Interesse der übrigen Welt, wenn die USA China mit dem Gerücht, das Virus sei aus einem Labor in Wuhan entwichen, zum Sündenbock machen. Vernünftiger wäre es, wenn die USA stattdessen mit China zusammenarbeiten würden – beispielsweise bei der Impfstoffforschung und der Pandemiebekämpfung.

Wie bei jeder Pandemie ist es zwar wichtig zu wissen, woher das Virus stammt und wie es auf den Menschen übergesprungen ist, um beispielsweise eine ähnliche Pandemie in der Zukunft zu verhindern. Doch das wird wahrscheinlich noch lange dauern, und die Priorität liegt jetzt darin, Leben zu retten.

Statistiken der Johns Hopkins University zeigen, dass weltweit mehr als 200 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert wurden, von denen bisher insgesamt 4,25 Millionen an COVID-19 gestorben sind. Es hat nur ein halbes Jahr gedauert, bis die Zahl der Infektionen von 100 Millionen auf 200 Millionen hochgeschnellt ist. Daran ist vor allem die deutlich infektiösere Delta-Variante des Virus schuld, die sich seit ihrem ersten Auftreten in Indien im September in über 130 Ländern und Regionen ausgebreitet hat.

Es sollte klar sein, dass die COVID-19-Impfstoffe nach wie vor das wirksamste Mittel gegen die Delta-Variante sind. Doch die ungerechte Verteilung der Impfstoffe hat die Fähigkeit der weniger entwickelten Länder, die Pandemie zu bekämpfen, ernsthaft geschwächt. Die USA und China als die beiden führenden COVID-19-Impfstoffhersteller haben keinen Grund, die Tatsache zu ignorieren, dass kein Land sicher sein wird, solange das Virus nicht überall gebändigt ist.

In diesem Sinne sollten die USA den Aufruf der Weltgesundheitsorganisation zur internationalen Solidarität beherzigen und ihre unnachgiebigen Bemühungen aufgeben, die Untersuchung zur Ermittlung des Ursprungs zu politisieren. Wenn die USA mit ihren Schuldzuweisungen aufhören und sich mit China zusammentun, wird es viel einfacher sein, die Impflücke zwischen den entwickelten und den weniger entwickelten Ländern zu schließen und so dazu beizutragen, die Pandemie frühzeitig zu zähmen. Dies könnte auch dazu beitragen, das beschädigte gegenseitige Vertrauen zu reparieren und eine weitere Verschlechterung der Beziehungen zu verhindern.